Niederlande: Aufstand


Niederlande: Aufstand
Niederlande: Aufstand
 
Die »Niederlande« hatten sich erst im Spätmittelalter im Wesentlichen aus dem burgundischen Erbe der Habsburger gebildet, einige Teile kamen noch im 16. Jahrhundert hinzu. Ein wichtiger Schritt zur Lösung der Niederlande vom Reich war ihre Übertragung an Philipp II. von Spanien durch seinen Vater, Kaiser Karl V. im Jahre 1555. Die in 17 Provinzen gegliederten Niederlande waren ein heterogener Bund von Territorien, Städten und Korporationen mit jeweils eigenen Privilegien. Die verbindende Klammer waren die Generalstaaten, die gemeinsame Ständeversammlung aller 17 Provinzen.
 
Die Auseinandersetzungen zwischen den Niederlanden und Spanien entzündeten sich an der religiösen Frage. Als die Spanier dort gegen die neuen Glaubensrichtungen, vor allem calvinistisch beeinflusste Protestanten und Wiedertäufer, eine scharfe Inquisition und Ketzerverfolgung durchführen wollten, entbrannte ein Konflikt mit den lokalen Gewalten. Die Städte waren nicht mehr bereit, gegen Ketzer mit den harten Mitteln vorzugehen wie die Inquisition sie verlangte. Der Adel unter der Führung Wilhelms von Oranien verband seinen Widerstand gegen die zentralstaatliche Verwaltung mit der Religionsfrage. Soziale und religiöse Spannungen entluden sich in einem Bildersturm. Philipp entsandte daraufhin ein spanisches Heer unter dem Herzog von Alba in die Niederlande. Steuerliche Belastungen, die Einquartierung fremder Truppen und die Schaffung eines Systems neuer Bistümer weiteten den Konflikt von dem Widerstand gegen die Ketzerverfolgung zu einem Krieg gegen die Tyrannei Albas und für die alten Privilegien und Freiheiten aus.
 
Einer der Führer der Aufständischen war der Statthalter der Provinz Holland, Wilhelm von Oranien. Als dieser 1568 mit einem Heer gegen die Spanier zog, begann ein achtzigjähriges Ringen zwischen dem habsburgischen Weltreich und den Niederlanden. Zunächst hielten sich die Rebellen nur in den Provinzen Holland und Seeland, teilweise mussten sie sich auf die See zurückziehen.
 
Die Niederländer bildeten keine einheitliche Front, sondern waren in verschiedene politische und religiöse Parteiungen aufgespalten. Doch selbst überzeugte Katholiken erhoben sich gegen die »spanische Furie« (so 1576 in Brüssel). Im Verlauf des Krieges bildete sich eine Zweiteilung des Landes zwischen katholischen Provinzen im Süden und von Calvinisten geprägten nördlichen Provinzen heraus. 1579 schlossen sich die wallonischen Provinzen in der Union von Arras und einige Provinzen nördlich des Rheins unter der Führung Hollands und Seelands zur Union von Utrecht zusammen. Der Krieg sollte (mit Unterbrechungen) noch fast 70 Jahre dauern, bis im Januar 1648 in Münster ein Sonderfrieden zwischen Spanien und den selbstständigen »Vereinigten Provinzen« der nördlichen Niederlande geschlossen wurde. Die südlichen Provinzen, das heutige Belgien, blieben bei Spanien und fielen 1714 nach dem Spanischen Erbfolgekrieg an Österreich.

Universal-Lexikon. 2012.

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